| Alter und Anfänge des Dorfes Raumland
„Was wissen wir überhaupt über die Anfänge Raumlands?“
Selbst ein konkretes Ersterwähnungsdatum, das wir doch bei den meisten unserer Wittgensteiner Ortschaften nennen können, fehlt uns. 802 bis 817, dieses Zeitfenster eröffnete der Marburger Mittelalterhistoriker und Urkundenforscher Edmund Ernst Stengel, in Bezug auf Raumland und auch zahlreiche andere Orte. Was es mit diesen Zahlen auf sich hat, werden wir später noch erörtern. Tragen wir das bisschen, das wir über Raumlands Anfänge wissen, erst einmal zusammen, und lassen uns – auch das ist spannend, einen Blick auf die älteste Quelle und ihre Entstehungszusammenhänge werfen.
Versetzen wir uns rund 1200 Jahre zurück, etwa in das Jahr 802. Wir finden uns in einer Zeit wieder, in der viele Weichen für das spätere Europa gestellt wurden. Politische Strukturen wurden geschaffen, die für Jahrhunderte grundlegend sein sollten, und auch in Kultur, Wissenschaft und Religion wird viel geleistet. |
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| Seit zwei Jahren ist Karl der Große Kaiser des heiligen Römischen Reiches Denar Karls des Großen ca. 804. Er dehnt sein Reich über weite Teile Europas aus. Auch in die Regionen, die wir heute als Nordwestdeutschland bezeichnen würden, dringt er vor. Seine Hauptrivalen sind die größtenteils noch heidnischen Sachsen. Sie werden peu a peu bekämpft und nach und nach christianisiert. Ende des 8. Jhs. stehen sich beide Volksstämme in der Nähe des späteren Wittgenstein gegenüber. Bei Laisa bekommen die Sachsen 762 einen aufs Haupt. Ein Zeichen vom Gegenüber der feindlichen Stämme findet sich heute noch in den sich gegenüberliegenden Orten Sachsenberg und Frankenberg. |
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Um 800 trennt das Rothaargebirge die Kontrahenten, jetzt wird es für uns interessant.
Denn die Franken organisieren ihr Herrschaftsgebiet militärisch und auch kirchlich – das hängt in dieser Zeit untrennbar zusammen – gründlich durch. Es bildeten sich so genannte Gaue mit Untergliederungen – Untergaue oder Hundertschaften genannt. In unserer Ecke treffen sich der Hessengau, dem als Untergau Arfeld zugehörte, der Lahn- und der (allerdings nur sehr schlecht belegte) Perfgau. Was ein Gau eigentlich ist, hören wir später noch. Als Zentren werden Orte eingerichtet, an denen sich Gerichte und Kirchen befinden. Politisch wichtig war Arfeld als Hundertschaftsvorort und Gerichtsstätte, für den kirchlichen, militärischen und verwaltungstechnischen Ausbau wichtig wurden Feudingen als Urkirche im Lahntal und Raumland als Mutterkirche im Ederbereich.
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| Irgendwann in dieser Zeit machten zwei Grafen, Meginhard und Reginhard, dem Kloster Fulda eine Schenkung, in deren Zusammenhang der Name Raumland erstmals überliefert ist. Die Urkunde, mit der diese Schenkung besiegelt wurde, ist nicht erhalten. Bruchstücke ihres Textes sind aber durch eine mehr als 300 Jahre jüngere Handschrift auf uns gekommen. Um die ganze verzwickte Sache besser zu verstehen, machen wir jetzt einen Sprung von drei Jahrhunderten und begeben uns – nach Fulda. |
Fulda – der so genannte Codex Eberhardi
Das Benediktinerkloster Fulda gehörte zusammen mit Hersfeld und Lorsch zu den großen politisch bedeutenden Klöstern Hessens. Es war von Bonifatius gegründet worden, der auch dort bestattet wurde. Es war – ganz im Sinne des Bonifatius – ein Missionsstützpunkt, der vor allem nach Osten und Norden blickte. Später wurde es Reichsabtei, das heißt, es hatte außer dem König bzw. Kaiser keinen weltlichen Herrn über sich, und konnte seine Angelegenheiten weitgehend selbst regeln. Und es war reich: es erwarb im Lauf der Jahrhunderte Grund und Boden sowie Rechte in zahlreichen Orten zwischen dem Elsaß im Westen und Thüringen im Osten, zwischen Friesland im Norden und Schwaben im Süden.
Um 1100 war die Erfolgsstory zu Ende. Das Kloster geriet in Verfall, die Kirche begann einzustürzen, der Besitz war großenteils verloren. Um 1150 wurde ein neuer Abt namens Marquard geweiht, der sich um eine Verbesserung bemühte.
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Während seiner Amtszeit wurde eine Zusammenstellung des ehemaligen Fuldaer Besitzes und der Rechte der Abtei angefertigt. Dabei wissen wir nicht, ob sie der Abt in Auftrag gegeben hat oder eine Reihe von betuchten Konventsmitgliedern. Am Herzen lag ihnen dasselbe: die Dokumentation und die Wiederherstellung des ehemaligen Glanzes ihres Klosters.
Durchgeführt wurde das Werk von einem Mönch Eberhard. Wie so oft wissen wir auch von ihm nichts, außer daß er aus Thüringen stammte und eben die opulente Sammlung Fuldaer Rechte komponierte und niederschrieb. Opulent ist das Buch wahrhaftig: es umfaßt in 2 Bänden 748 Pergamentseiten, von denen viele künstlerisch verziert worden sind [nochmal Hinweis auf die Miniatur im Marquard-Bild]. Es ist unglaublich teuer und aufwendig gewesen, ein solches Buch herzustellen, und bei Auftragsvergabe wird niemandem klar gewesen sein, was man da in Angriff nahm: mehrere Änderungen, Umbindungen etc. lassen heute noch den Schluß zu, daß das Konzept diversen Modifizierungen unterworfen wurde. Komponiert sei der Codex? Das kann man wohl sagen: er enthält Abschriften von hunderten Königs- und Kaiser- und Papsturkunden sowie (meist in summarischer Form, wir werden das gleich noch sehen) von Privaturkunden
(so nennt der Historiker Urkunden, die eben nicht vom König bzw. Kaiser oder Papst ausgestellt worden sind), und einen ausgiebigen Rechenschaftsbericht über die Amtszeit des Abtes Marquard. Dabei hat Eberhard oft in den Text eingegriffen und ihn – natürlich zugunsten Fuldas – verändert. In mehreren Fällen konnte nachgewiesen werden, daß Eberhard einen Urkundentext frei formuliert hat. Das brachte ihm in unseren Tagen – naja – also in den letzten 100 Jahren – den nicht ganz unberechtigten Vorwurf ein, ein übler Fälscher gewesen zu sein. Dabei verkannte man aber die Absichten Eberhards und seiner Auftraggeber. |
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Das Widmungsbild des Codex gibt uns Auskunft, was man eigentlich im Schilde führte
Oben: Christus,
Mitte li: Bonifatius,
Mitte re: Sturmi,
unten: Eberhard.
Umschrift am rechten Rand: Fulda per egregios hos est suffulta patronos
(Fulda ist durch diese herausragenden Schutzherren unterstützt worden)
Umschrift um das Bild: Ecce Bonifacius sacer et Sturmis pater almus.
(almus = segenspendend)
Umschrift um Christus: Hi domino celi iungunt nos ore fideli.
(Sie verbinden uns mit dem Herrn des Himmels durch ein heiliges Gesetz
(sc. die Benediktsregel))
Spruchband des Bonifatius: Accipe dona, deus, nobis collata rogamus.
Spruchband des Christus: Me lactaverunt, sua qui vobis tribuerunt.
(Mich haben diejenigen genährt, die Euch das ihrige vermacht haben)
Spruchband des Eberhard: Fratris Eberhardi miserere, pater Bonifaci.
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Dem Betrachter wird damit gezeigt:
Bonifatius steht für die Autorität des Christianisators und des Gründers von Fulda, was zugleich wieder die Bedeutung Fuldas unterstreicht,
Sturmi (der erste Abt) steht für 400 Jahre benediktinische Tradition in Fulda,
Eberhard: ist der demütige und würdige Vertreter des gegenwärtigen Fuldaer Mönchtums.
Christus schützt das ihn verehrende Kloster, er betrachtet die vom Kloster gesammelten Güter als seine geistliche Nahrung (me lactaverunt ...).
Folglich: dem Betrachter wird vermittelt, daß ein Angriff auf das Kloster oder eine Minderung seiner im Folgenden in dem Codex aufgeführten Besitzungen und Interessen wäre ein Sakrileg gegen Gott.
Die Botschaft an den Betrachter ist somit: sei ehrfürchtig vor einer solchen christgeliebten Einrichtung, die auf eine jahrhundertealte geistliche Tradition zurückblicken kann und die einen derartigen Besitz hat, daß es dieses gewaltigen Werks bedarf, um ihn zu beschreiben.
Kurz: der Codex insgesamt ist ein Instrument mittelalterlicher Propaganda, das nach dem Grundsatz „die Menge macht's“ arbeitete, dabei damals keinerlei rechtliche Bedeutung beanspruchte, uns heute aber – trotz der Fälschungen Eberhards – wertvolle Hinweise über den Reichtum der Abtei Fulda vermittelt.
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Was hat das alles mit Raumland zu tun? Schlagen wir den ersten Band des Codex auf und werfen wir einen Blick auf die Rückseite von Blatt 145.
Wir befinden uns in dem Teil des Codex, der keine Urkundenabschriften enthält, sondern eine Auflistung von Schenkungen, denen aber Urkundentexte zugrunde liegen. Typisch für diesen Teil ist die arkadenartige, mit Gesicht-Kapitellen versehene Gestaltung. In der linken Spalte finden sich fünft Einträge (von dem Rest des von der vorigen Seite hereinragenden Eintrags mal abgesehen). Der erste ist für uns interessant.
Reginhart und Meginhart: uns weiter unbekannt. Auch ihren Amtsbezirk, ihre Grafschaft, kennen wir nicht. Unser Textfragment hier belegt lediglich, daß sie in Raumland Grundbesitz hatten.
Graf – comes: bezeichnet einen königlichen Würdenträger, der innerhalb seines Amtsbezirks für Frieden und Ruhe zu sorgen hat, den königlichen Besitz zu schützen hat, dabei auch Gerichts- und Verwaltungsaufgaben erledigt.
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pro remedio anime sue: typische Rechtfertigungsklausel einer mittelalterlichen Urkunde, hier – Zeichen für Flüchtigkeit Eberhards ?? – mit einem Pluralfehler.
Hessengau – pagus Hessorum: ein in vielen Urkunden vorkommender nordhessischer Bezirk. Wrede präzisiert: „ein geschlossenes Gebiet in der Eder- und Schwalmniederung, sowie im oberen Edertal“, dessen westlicher Ausläufer Raumland gewesen sein dürfte. Nicht näher abgrenzbar.
Rumilingene: vgl. Möhn. „Romolo“ taucht nur vier oder fünfmal überhaupt in den Quellen auf, sodaß uns dieser Name auch nicht weiterhilft. Auf jeden Fall haben wir es hier, ebenso wie Feudingen, mit einer sehr alten Namensform zu tun.
Mark – marcha: Unklar. Es wird ein kleines, geschlossenes Siedlungsgebiet um Raumland herum gemeint sein, das herausgehobene Bedeutung hat. Zum Beispiel eine Hundertschaft, wie wir es ja auch aus Arfeld kennen. Vielleicht handelt es sich auch um eine kleine „Grenzmark“, obwohl die militärische Bedeutung so groß nun doch nicht gewesen zu sein scheint.
sancto Bonifacio: Synonym für das Kloster Fulda, in dem Bonifatius begraben liegt. Offenbar wurzelt in diesem Wortspiel der Irrtum, Bonifatius habe selbst in Raumland gewirkt oder sei zumindest einmal hier gewesen
ducenta octoginta iugera: 280 Joch Land. Hiermit wollen wir uns nicht aufhalten, denn Analysen des Codex Eberhardi haben ergeben, daß Eberhard in fast allen Fällen die Angaben der geschenkten Güter zugunsten Fuldas verfälscht und hochgesetzt hat. Dasselbe gilt für
mancipia XXX: 30 Leibeigene.
(...) postera prole: gesamte spätere Nachkommenschaft.
Was sagt der kurze Eintrag Eberhards nicht? Nun, er sagt nicht, wann Meginhard und Reginhard ihre Schenkung dem Kloster Fulda machten, er sagt nicht, wer noch zugegen war (das würde gegebenenfalls Aussagen über die Bedeutung der Schenkung zulassen), er sagt nicht, ob Fulda jemals Gebrauch von der Schenkung gemacht hat, er sagt auch nicht, wie alt „Rumilingene“ damals wirklich war!
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Überlieferungsgeschichte
An dieser Stelle machen wir einen kurzen Schritt auf diese Vokabel der „Gründungsurkunde“, der gerne durch die Literatur geistert. Auch wollen wir zeigen, wie die verstümmelte Gestalt des Raumländer Eintrags in den Codex Eberhardi kam.
Nach all dem, was wir eben gesehen haben, ist deutlich: wir es nicht mit einer Originalurkunde zu tun. Eine solche Urkunde müßte andere Kriterien erfüllen. Sie würde anders aussehen, etwa so wie diese hier.
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Und sie müßte – Urkunden wurden damals wie heute geschaffen, um Rechtszustände neu zu begründen oder Rechtszustände zu befestigen – ihre Echtheit und Gültigkeit beweisen. Das geschieht durch eine bestimmte formelhafte Sprache, von der hier im Eberhard’schen Eintrag fast nichts übrig ist (nur das „pro remedio animae“),
-durch die Benennung von Zeugen und vor allem
-durch die Besiegelung [bei der Beispielurkunde auf Folie abgeschnitten].
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Als Historiker und historisch interessierte wären wir immerhin schon dankbar, wenn Eberhard den Urkundentext vollständig übernommen hätte, selbst dann wären wir noch bereit, von einer Urkunde zu sprechen. Aber was wir hier vorliegen haben, ist wirklich nur ein Textfragment, das keine weiteren Rückschlüsse zuläßt außer der Erkenntnis, daß es Reginhard und Meginhard gegeben hat und daß es das Dorf Raumland gegeben hat, wo die Grafen Besitz hatten.
Nachdem wir nun schon nicht von einer Urkunde sprechen können, müssen wir jetzt auch noch das Wort „Gründungsurkunde“ auseinander nehmen, von dem das ansonsten so präzise Dorfbuch Raumland spricht. Es ist einleuchtend: Reginhard und Meginhard haben das Dorf nicht gegründet. Das Dorf war, als die Schenkung gemacht wurde, schon da. Die Frage ist, wie lange schon. Doch dazu auch noch später. |
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Schlußfolgerung:
Wir können hier nur von einer „Ersterwähnung“ sprechen, nicht von einer „Gründungsurkunde“. Allerdings hat Eberhard ohne Zweifel eine Urkunde oder zumindest eine Urkundenabschrift benutzt. Wie ist
nun das Fragment zustandegekommen, das wir aus seiner Feder überliefert haben?
Wie alt ist Raumland denn nun wirklich?
Betreffend die Datierung – die ehemalige Urkundendatierung ist ja Dank Eberhard verloren - haben wir die Aussage des Marburger Historikers und Urkundenspezialisten Edmund Ernst Stengel, der in die Jahre 802-817 taxiert. Doch wie ist er bloß darauf gekommen? Er konnte nachweisen, dass Eberhard ein Konzeptionsprinzip anwendete, das die ältere, heute leider
größtenteils verlorene Fuldaer Urkundensammlung (das Kartular) auch angewandt haben: die Schenkungen geographisch zu gliedern (in diesem Fall
befinden wir uns im Hessengau) und sie den Regierungszeiten einzelner Äbte zuzuordnen. Manchmal enthalten seine Einträge Hinweise, die es zulassen, ein
solches Zeitfenster aufzumachen. Stehen mehrere solche Belege nebeneinander, ist es sehr wahrscheinlich, daß auch die dazwischen befindlichen Urkunden in
denselben Zeitraum gehören. Beispiel: Wenn von 100 Urkunden die 10., die 15., die 25. und die 30. zwischen dem Jahr X und dem Jahr Y verfaßt worden
sind, ist es mehr als wahrscheinlich, daß die dazwischen befindlichen Urkunden ebenfalls in dieser Epoche verfaßt worden sind. Und so gehört
Raumland zu einer Gruppe von Schenkungen, die zur Zeit des Abtes Ratger erfolgten, der das Kloster von 802 bis 817 leitete. |
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Doch hier können wir – auch Dank der Arbeiten Stengels, aber auch jüngerer Wissenschaftler – noch einen draufsetzen. Wie wir alle wissen, war die Raumländer Kirche ursprünglich dem
heiligen Martin geweiht. Sie gehört damit in eine Reihe von dicht beieinander gelegenen Martinskirchen in Hessen, Wittgenstein und dem
Siegenschen (u.a. Siegen, Netphen, Feudingen, Kesterburg/Christenberg, Dautphe, Gladenbach, Oberweimar, Michelbach, Schönstadt, Bromskirchen,
Geismar, Oberofleiden, Treysa). Auffallend ist, daß bei allen diesen Kirchen auch Gerichte und oder Hundertschaftsvororte (vgl. „marcha“) angesiedelt
waren. Die für Bonifatius und seine Nachfolger typische Patrozinienform ist aber das Michaelspatrozinium (vgl. die Kirche in Fulda). Wie läßt sich das
erklären? Es ist ein Indiz dafür, daß Raumland und die anderen Orte wesentlich älter sind, als wir nachweisen können. Die Kombination von
Martinskirche, Gerichts- und Verwaltungsort weist auf fränkisch/süddeutsche Einflüsse aus der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts hin. Es ist also
durchaus möglich und wahrscheinlich, daß unser Dorf noch 80 bis 100 Jahre älter ist, als wir heute glauben.
Zusammenfassung
Blicken wir kurz zurück: was wir betrachtet haben?
1. Die ältesten Angaben Raumlands verdanken wir einem Propagandaunternehmen des Klosters Fulda aus
dem 12. Jahrhundert. Diese Informationen des sogenannten Codex Eberhardi sind allerdings nur unzuverlässige Trümmer einer älteren Überlieferung.
2. Die dort überlieferte Schenkung der Grafen Reginhard und Meginhard hat in der Zeit Karls des Großen, einer politisch bedeutenden Zeit stattgefunden. Sicher können wir
aus ihr ableiten, daß das Dorf zumindest ein politisch-kirchlich-militärisch-verwaltungstechnisches Unterzentrum der fränkischen Macht war.
3. Darüber hinaus ist es sehr wahrscheinlich, daß das Dorf mit seiner Martinskirche noch wesentlich,
vielleicht sogar 100 Jahre älter ist als bisher angenommen und vermutlich
im Zusammenhang mit fränkischen Missionsbestrebungen entstanden ist.
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Viele interessante Fragen
bleiben unbeantwortet, wir werden sie nie beantworten können: Wie groß war
das Dorf? Wie viele Menschen lebten hier und wie lebten sie? Wie sah die
bestimmt schon vorhandene Kirche aus? Hier bleibt viel Raum für unsere
Fantasie.
Immerhin ermöglichen Sie es uns, unsere Feier – und Raumland
hätte es sicher verdient – bis ins Jahr 2017 auszudehnen.
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nach einem Vortrag von Dr. Johannes Burkardt im Gemeindehaus von Raumland am 12.03.2005
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